Die Geschichte der Kirchenorgeln

Am Spieltisch die als "Schülestante" bekannte Marie Gläser

Blick auf die Orgel in der Kirche vor 1963.

Die erste Orgel wurde im Jahr 1787 eingebaut. Die technischen Daten sind nicht bekannt. Wir wissen nur, dass sie in Tübingen gebaut und von dort abgeholt wurde. Im Jahr 1824 wurde sie gründlich überholt und tat danach bis 1878 ihren Dienst.

 

Im Jahr 1878 wurde dann die zweite Orgel eingebaut. Lange Zeit hatte sie ihren Platz auf einer kleinen Empore, etwa 2,50 m über dem Fußboden, hinter dem Altar. Bei der großen Kirchenrenovierung 1961 wurde sie dann herabgesetzt auf den Fußboden im Chorraum. Außer bei sonntäglichen Gottesdiensten erklang sie bei den verschiedensten Feierlichkeiten und auch bei zahlreichen Konzerten als Soloinstrument oder zur Begleitung.

 

Bis zum Jahr 1921 erhielt die Orgel ihre Luft aus fußbetätigten Blasebälgen. Zum Treten der Bälge war früher immer ein älterer Mann, der sogenannte "Orgeltreter", angestellt. Aushilfsweise wurden hierzu auch Schüler bzw. die Läutebuben eingesetzt, welche dann gelegentlich den Organisten durch allerlei Schabernack ärgerten. Im Jahr 1921 wurde dann ein Gebläse mit Elektromotor beschafft. Im Laufe der 60er Jahre zeigten sich an dieser Orgel größere Schäden. Bedingt durch ihr Alter, Holzschwund und sonstige Undichtigkeiten, vor allem an den Pfeifen, wurde das Instrument zur Qual der Organisten. Ihr Zustand wurde um 1969 so schlecht, dass Pfarrer Keitel sie wie folgt charakterisierte:

 

Von außen schimmert sie weißlich,
von innen wimmert sie scheußlich.

 

Ein Orgelbauverein und viele Spenden aus der Gemeinde ermöglichten dann 1971 den Kauf der heutigen Orgel. Gebaut wurde sie von der Orgelbaufirma Richard Rensch in Lauffen am Neckar. Etwa 250 Pfeifen der alten Orgel konnten verwendet werden. Diese Orgel wurde so konzipiert, dass das romanische Rundbogenfenster in der Chorrückwand wieder neu zur Geltung kam. Diese Orgel mit ihrem vollen und vielseitigen Klang wurde am 11. Juli 1971 in einem Festgottesdienst durch Dekan Widmann ihrer Bestimmung übergeben.

 

Sie umfasst 1285 Pfeifen; die kleinste mit dem Ton g'''''' (das entspricht 14080 Hertz) hat einen Durchmesser von 1,5 mm und ist 18 cm lang; die größte und tiefste Pfeife ist 2,60 m lang und 25 cm dick, sie spielt den Ton contra-C, mit 32 Hertz.

 

Die Orgel besitzt zwei Manuale und sechzehn Register. Auffällig ist ihre geteilte Bauweise, sowie die Verwendung von Zinn, Holz und Messing bei der Gestaltung des Orgelprospektes. Der Luftdruck der einzelnen Teile wird wie folgt angegeben: Pedal: Wassersäule von 90 mm, Brustwerk 45 mm, Hauptwerk 60 mm. 

 

Eine alte Orgelinschrift lautet:

 

Du spielst hier nicht für dich, du spielst für die Gemeinde, dein Spiel erhebt ihr Herz, sei einfach, ernst und reine. Stets muss der Orgelton zum Liedesinhalte passen.

Drum lies das Lied erst durch, um seinen Geist zu fassen.
Dass den Gesang dein Spiel nicht in Verwirrung bringt,
so halte manchmal ein und spiele, wie man singt.

 

Nach dieser Schrift zu urteilen gab es früher wohl auch manchen disharmonischen Orgelspieler. Von solchen Organisten blieben wir hier allerdings verschont. Einige unserer Organisten seien nun hier genannt:

 

Wilhelm Walz

Gottlob Trefz

Marie Gläser
Gottlob Schwarz
Hermann Trefz
Günter Kocher

Wolfgang Klenk