Die alte Pfarrscheuer

Das Umfeld der Juliana-Kirche wird mitgeprägt durch das an der Backnanger Straße gelegene Gebäude der alten Pfarrscheuer. Sie wurde in ihrer heutigen Bausubstanz etwa zur Jahrhundertwende um 1700 erbaut - im Zuge der Wiedererrichtung der meisten Gebäude im Ort nach der Zerstörung 1693.In jener Zeit bildete sie eine gewisse Einheit mit der Zehntscheuer, die ihren Platz an der Stelle des alten Schulhauses hatte. Dort wurden die Naturalabgaben der Bevölkerung für die Sturmfedersehen Herrschaften gesammelt und gelagert. Die Pfarrscheuer hingegen stand ganz der Pfarrfamilie zur Verfügung, die sich in jener Zeit einen wesentlichen Teil ihres Lebensunterhaltes durch eine eigene Landwirtschaft sichern mußte; dazu hatte sie rund 15 Morgen Land. Außerdem lagerten die .Pfarrherren" in der Scheuer den Ernteanteil, der ihnen von der Bevölkerung zustand, den "pfarrherrlichen Zehnten". Aus einer Äußerung von Pfarrer Johannes Hägelin (um 1695) am Anfang unseres ältesten Kirchenbuches geht der Umfang dieses .Zehenden" teilweise hervor: Neben 50 Thalern umfaßte er 32 Scheffel Dinckel, 4 Sch. Roggen, 12 Sch. Hafer, eine größere Menge Wein sowie Anteile an Heu, Hanf, Flachs, Kraut, Rüben, Erbsen und anderem. Im alten Zustand mit einer breiten Durchfahrt für Heuwagen, seitlichen Abteilungen für Heu und Stroh und verschiedenen Bühnenstockwerken wurde die Scheune bis in die achtziger Jahre erhalten und teilweise vermietet. 1987 wurde die Scheune an eine Privatfamilie verkauft, die sie in vorbildlicher Weise in ein Wohngebäude umgestaltet und zugleich in ihrem alten Charakter erhalten hat.