Geschichte des Großaspacher Pfarrhauses

Das Pfarrhaus

Das unterhalb der Kirche gelegene Pfarrhaus hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Besonders markant ist sein hoher fünfteiliger Nordgiebel. Von dieser Seite aus besteht durch eine große Bogentüre auch der Zugang zu dem fast das gesamte Haus unterfassenden
Gewölbekeller, der eine Höhe von 3,70 Metern und die Ausmaße von 7 m auf 12 m hat. Zwei große, jeweils rund 3100 Liter fassende Weinfässer geben auch heute Zeugnis von einer früheren Nutzung durch den örtlichen Küfermeister Streker.

Über viele Jahrzehnte fanden das schulische, kirchliche und öffentliche Leben ihr Zentrum in der nächsten Umgebung des Pfarrhauses: die Schule war ursprünglich untergebracht im 1801 erbauten Gebäude an der Backnanger Straße (dort mit einbezogen die .Kinderschule"), später bis 1964 teilweise auch im heutigen Gebäude Epple an der Hasengasse. Die .Kinderschule" wurde 1938 verlegt in den "alten Kindergarten" am Friedhofweg (heute Teil des Gemeindehauses) und dort bis 1980 betrieben. Die Pfarrscheuer und die heute nicht mehr vorhandene Zehntscheuer gehörten ebenfalls zu diesem Ensemble.

Anfang der achtziger Jahre erlebte das Pfarrhaus eine schicksalhafte Zeit: Nach einem Umbau des früheren Kohlenkellers zur Erweiterung der Büroräume machten 1981 Messingkäfer (Niptus hololeucus) innerhalb weniger Monate ein Bewohnen des Hauses unmöglich. Da sie ihren Sitz mitten in den Stroh- und Streufüllungen und den Lehmwickeln der Zwischenböden hatten und sich nach jeder Bekämpfungsmaßnahme nur noch stärker vermehrten und im Haus aktiver wurden, half schließlich nur noch eine Radikalmaßnahme: Alle Wände und Böden wurden geöffnet, das Haus durch Folien luftdicht abgeschlossen und einer sehr teuren Bekämpfung mit Giftgas (Blausäure und Methylbromid) unterzogen. Sie war erfolgreich, befreite das Haus von den Plagegeistern und ermöglichte zugleich eine Generalinstandsetzung, die aus dem Gebäude ein vielfach beachtetes Schmuckstück machte.