Die Juliana-Kirche im Wandel der Zeit

Zeichnung von Forstrat Kieser von 1686

Unsere Juliana-Kirche mit ihrem weithin sichtbaren spitzen Kirchturm, wurde im Jahr 1780 in ihrer heutigen Größe erbaut. Die Kirche selbst hatte auf demselben Platz verschiedene Vorgängerinnen. Bereits im Jahr 1278 stand hier eine Kapelle oder kleine Kirche, die eine Glocke in der Größe der heutigen großen Glocke besaß.

 

Die Kirche war in früheren Jahrhunderten stets das geistige und kulturelle Zentrum eines Ortes. So sind unter anderem die Anfänge der Schule auf die Kirche bzw. den Pfarrer zurückzuführen. Dementsprechend übte der Pfarrer damals auch bei größeren bürgerlichen Entscheidungen einen gewissen Einfluss aus, was sicher nicht zum Nachteil der Gemeinde bzw. der Bürger war.

 

Wie nun eine Vorgängerin unserer Kirche ausgesehen hat, zeigt die Ortszeichnung von Forstrat Kieser, welcher dieselbe im Auftrag des Forstamtes Reichenberg im Jahr 1686 angefertigt hat. Der Turm besaß damals ein einfaches Giebeldach. Diese Kirche hat allerdings bei dem großen Brand unseres Ortes am 18. Juli 1693 sehr gelitten. Eine provisorische Instandsetzung ermöglichte jedoch bald wieder die Benutzung für die Gottesdienste.

 

Eine weitere Instandsetzung war bereits im Jahr 1715 notwendig, dabei wurde jedoch die Größe der Kirche nicht verändert. Doch nur etwa 16 Jahre hielt das Provisorium. Denn bereits im Jahr 1731 zwang die Baufälligkeit der Kirche die kirchliche und bürgerliche Gemeinde zu einer größeren Instandsetzung. Hierbei erfolgte dann eine Vergrößerung des Kirchenschiffes und des Turmes. Die Baubeschreibung von 1731 erwähnt, dass bei dieser Gelegenheit der Turm mit einem Knopfkreuz und einem Hahn versehen wurde.

 

 

Die "heilige Juliana"

Die jetzige Kirche ist der heiligen Juliana geweiht. Welche historische Person jedoch die Namensgeberin war, ist nicht genau zu klären. War es Juliana von Norwich, eine mystische Einsiedlerin, die von 1342 bis 1416 lebte? Ihre Schriften sind gekennzeichnet durch Empfindung, Gedankentiefe, Klarheit im Ausdruck und einen unbesiegbaren Optimismus; sie wurden bis zur Reformation viel gelesen. Oder war es jene andere Juliana, die um 285 in Nikomedien, dem heutigen Izmir in der Türkei, lebte? Sie starb in der diokletianischen Christenverfolgung den Märtyrertod, als sie sich weigerte, einen heidnischen Mann zu heiraten.

 

Unsere Kirche wird allerdings erst seit ein paar Jahrhunderten nach der heiligen Juliana benannt. Darum ist anzunehmen, dass unsere früheren Kirchen dem heiligen Sylvester geweiht waren. Eine Bestätigung dieser Annahme konnte allerdings bisher nicht gefunden werden.

Um- bzw. Neubau im Jahr 1780

Infolge stetiger Vergrößerung der Gemeinde reichte auch die im Jahre 1731 erweiterte Kirche bald nicht mehr aus, sodass im Jahr 1779/80 ein weiterer Um- bzw. Neubau notwendig wurde. Der Umbau betraf auch damals wieder den Turm, insbesondere jedoch einen Neubau und die Vergrößerung des Kirchenschiffes, das sogenannte Langhaus. 

Die heutige Kirche ist von der Fläche her also mehr als doppelt so groß wir ihre Vorgängerin. Leider sind die Bauunterlagen der Arbeiten von 1779/80 größtenteils verlorengegangen. Fest steht jedoch, dass die meisten Kosten des Baus von der kirchlichen und bürgerlichen Gemeinde, zusammen mit vielen Spenden der hiesigen Bürger, getragen wurden. Zusätzlich wurden noch Kirchengüter verpfändet. Die damalige Patronatsherrschaft von Sturmfeder zu Oppenweiler beteiligte sich jedoch nicht an der Deckung der Kosten. Lediglich eine "milde Gabe" von 15 f wurde von der Familie Sturmfeder gestiftet.

Die Einweihung der Kirche nach dem großen Umbau erfolgte am Sonntag, 08. Oktober 1780.

Der Turmchor

Am Turm kann man noch verschiedene Bauepochen erkennen, die bis in die romanische Zeit zurückreichen. So stammen wahrscheinlich die Mauern des Turmschafts noch von der Kirche, in deren Turm im Jahr 1278 eine große Glocke gehängt wurde. Aus dieser Zeit des romanischen Baustils stammt noch das kleine Rundbogenfenster auf der Ostseite des Turmes.

Fachleute nehmen allerdings an, dass in jener Zeit der Fußboden des Chorraumes etwa 1,80 m höher lag als heute. In diesem Hoch-Chor stand der Altar, der mit dem Kirchenschiff durch eine große Treppe über die ganze Chorbreite verbunden war. Der dadurch entstandene Raum unter dem Altar, der von der Kirche aus nicht sichtbar war, wurde als Gebeineraum verwendet. Da der frühere Friedhof unmittelbar um die Kirche angelegt und somit für die damalige Gemeinde verhältnismäßig klein war, mussten die Gräber oft sehr bald wieder neu belegt werden. Die dabei ausgegrabenen Gebeine wurden dann in diesen Gebeineraum gebracht. Dieser Raum hatte nur einen direkten Zugang von Süden her. Die Tür ist heute noch im Chor als Rundbogennische mit kleinem Fenster zu erkennen.

In der Zeit der Gotik, um das Jahr 1480, räumte man den Gebeineraum, riss die Treppe und den erhöhten Chorraum heraus und hatte dann einen Chorraum in der Höhe, wie wir ihn heute noch haben. In diesen Chorraum wollte man den Altar stellen, der vielleicht mit Bildertafeln geschmückt werden sollte. Doch da dieser Chorraum nun sehr düster war, brach man auf der Südseite das noch heute vorhandene gotische Spitzbogenfenster aus der Turmwand. Die Steinmetzzeichen an der Außenseite der Bogensteine weisen darauf hin, dass hier der gleiche Meister am Werk war, der um das Jahr 1475 an der Kirche in Erbstetten arbeitete.

 Der Turm selbst wurde verschiedentlich vergrößert. Die einzelnen Etappen lassen sich jedoch heute nicht mehr feststellen. Aus den dürftigen und unvollständigen Akten ist nur zu entnehmen, dass der Turm sowohl im Jahr 1731 als auch im Jahr 1780 umgebaut und vergrößert wurde. Im Jahre 1780 erfolgte der Umbau zur heutigen Form und Größe.

Die Renovierung 1963-1965

Neugestalteter Innenraum ab 1965

In den Jahren 1963 bis 1965 erfolgte nach langen Verhandlungen mit dem Evangelischen Oberkirchenrat in Stuttgart ein grundlegender Umbau des Kircheninnern und verbunden damit der Einbau einer ölbefeuerten Warmluftheizung.

Im Zuge dieser Renovierung wurde das Innere der Kirche sehr einschneidend verändert. So wurden eine Seitenempore an der Nordseite und der Schalldeckel über der Kanzel entfernt und dieselbe tiefer gesetzt, die Orgel von der Chor-Empore auf den Chor-Fußboden versetzt, ein freier Altarraum geschaffen und über dem neuen Altar ein Rundbogen errichtet. Die Kirche umfasst seitdem rund 500 Sitzplätze.

Die Renovierung 1988

Diese Renovierung war notwendig, um die Bausubstanz des Gebäudes zu erhalten und zu verbessern. Die Grundmauern wurden trockengelegt. Eine Ringleitung in der Tiefe der Fundamentsohle nimmt nun die anfallende Feuchtigkeit auf. Der Wandputz wurde außen und zum Teil auch innen abgehauen und durch einen Sanierputz ersetzt. Das Dachgebälk des Kirchenschiffes erfuhr eine Schädlingsbekämpfung gegen den Holzbock. Ferner wurde eine Isolierung zur Wärmedämmung in den Dachboden eingebaut. Die Heizungsanlage wurde verbessert und die Beleuchtung modernisiert. Der Kirchenaußenbereich wurde verschönert. Zugleich erhielt der Kircheninnenraum durch einen neuen Anstrich eine warme und einladende Ausstrahlung.

 

In einigen Details konnte der ursprüngliche Zustand aus der Zeit vor der Renovierung von 1963 wiederhergestellt werden, nämlich bei der Gestaltung der Kassettendecke, der tragenden Holzsäulen, der Aufteilung der Emporenbrüstung und der Farbgebung an Altar und Kanzel. Das Altarkruzifix gewann durch die Arbeit des Restauratoren- ehepaares Malek aus Abstatt eine neue Aussagekraft.