Kunstgegenstände in der Juliana-Kirche

Die Einstellung der evangelischen Christen zu Kunstgegenständen und bildhaften Darstellungen in ihren Kirchen war über eine lange Zeit zwiespältig und vielfach sogar kritisch und ablehnend. Die Reformationszeit lenkte den Blick weg von den. Bildern, Altären und Heiligenfiguren in den Kirchen. Ihr war das Wort Gottes und das Hören auf den unsichtbaren, aber durch Christus nahen Gott wichtig.  

Was in der hiesigen Kirche nach der Reformation erhalten blieb, ist uns unbekannt, da alle alten Stücke spätestens beim Brand von 1693 zerstört wurden. Zudem fanden die Bestandteile vieler Kirchen über lange Zeit wenig Wertschätzung. Eine Folge war auch in der Großaspacher Kirche die Beseitigung mancher wertvoller historischer Stücke bei der Renovierung 1963/65. So wurden die geschnitzte Hochkanzel mit Treppenaufgang und Schalldeckel, die massiven hölzernen Säulen unterhalb der Emporen sowie das alte Gestühl - unterhalb der Kanzel mit abgeschlossenen Abteilen - entfernt. Auch der Prospekt der 1970 erneuerten, ursprünglich auf einer Empore hinter dem Altar eingebauten Orgel ist uns nur noch aus alten Bildern bekannt.

In den letzten Jahrzehnten haben wir ein neues Verhältnis zu den historischen Zeugnissen unserer Kirche gefunden. Wir haben entdeckt, wie auch innerhalb der Bibel Gleichnisse und Symbole eine große Bedeutung haben - und wie dringend wir selbst bildhafte Darstellungen für unseren Glauben brauchen. Zudem geben die alten Stücke wichtige Hinweise auf Reichtum, die Tiefe und das Geheimnis des Glaubens, die wir so nie in Worten ausdrücken könnten. Und sie zeigen uns, wie unser heutige Glaube in der Vergangenheit wurzelt und aus ihr herauswächst.

Schon die bauliche Gestaltung der Juliana-Kirche enthält wichtige aussagekräftige Elemente:

- Der von weitem sichtbare Fachwerk-Kirchturm, der wie ein Finger gen Himmel ragt

- der massige, seit dem 11. Jahrhundert bestehende Unterteil des Turmes, der auch ein Zeichen der Beständigkeit und Verläßlichkeit des Glaubens bildet

- das kleine bunte (ursprünglich durch die Orgel verdeckte und 1965 neu gestaltete) romanische Fenster hinter der Orgel, durch das in den Morgenstunden das neue Tageslicht hineinströmt ("Ich bin das Licht der Welt", Joh. 8, 12)

- sowie das zum Friedhof ausgerichtete spätgotische Fenster gegenüber der Orgel.

Sie alle sind Zeichen, wie auch die von außen unsichtbare kunstvolle Balkenkonstruktion im Helm des Turmes und die bis zu acht Metern tiefen und mit mächtigen Widerankern versehenen Fundamente des Kirchenturms und -schiffes sowie die Glocken mit ihrer eigenen Geschichte und Botschaft.

Daneben sind die Kunstgegenstände unserer Kirche im engeren Sinne
zu nennen: Das Altarkreuz entstand zwischen 1550 und 1600. Es dürfte erst nach dem Brand von 1693 in die Großaspacher Kirche gekommen sein. Besonders eindrucksvoll ist das Gesicht des Gekreuzigten, die zierliche gotische Darstellung des Körpers und der Arme, das auffällige vergoldete Lendentuch, die grün gefärbte
Dornenkrone und die helle und warme Farbgestaltung des Körpers Christi. Diese Details weisen schon am sterbenden Gekreuzigten hin auf das österliche Geheimnis des Lebens, des Sieges und der Auferstehung.

Der Taufstein ist das älteste Stück in der Kirche. Er muß um 1480 entstanden sein. Seine große Höhlung war ursprünglich mit einer Zinnschicht ausgelegt. Bei Taufen wurde er mit Wasser gefüllt, so daß die kleinen Täuflinge ganz untergetaucht werden konnten. Als ornamentalen Schmuck trägt er an der Außenseite der Rundung Blumenzeichen. Seit 1963 werden die Taufkanne und -schale von einer in Kreuzform gestalteten Halterung über dem Becken getragen.

In den alten Abendmahlsgeräten haben wir eine sehr wertvolle
Arbeit vor uns. Der Kelch trägt die Initialen HB IEN. Er stammt demnach von dem Heilbronner Meister Johann Friedrich Nicolai, der ihn 1738 geschaffen haben muß. Die zugehörige Hostienschale (Patene) trägt die Inschrift:

HIC EST CALIX NT NOSTRI SERV ATORIS CHRISTI IN
ECCLESIlE GROS ASP ACENSIS PIISIMOS VSVS

(Dies ist der Kelch des neuen Bundes unseres Retters Christus zum
überaus frommen Gebrauch in der Großaspacher Kirche)

Die drei noch erhaltenen Abendmahlskannen stammen vom Backnanger Zinngießer Johann David 'Höchel. Sie tragen auf dem Deckel ein Lamm und entstanden um 1780. Daneben ist noch ein zweites altes Abendmahlsgerät - seine Inschrift verweist auf die Spenderin:

"Gestiftet 1867 v. Elisabetha Jäger z. Andenken a. i. seI. Mann J. M. Jäger" - vorhanden sowie ein 1986 erworbenes Hausabendmahlsgerät.

Die Paramente unserer Kirche - die Stoffbehänge an Altar und Kanzel - werden von den Gottesdienstbesuchern oft nicht bewußt wahrgenommen. Aber sie prägen die Aussagekraft des Kirchenraumes und verstärken die Botschaft der einzelnen Sonntage und der Zeiten des Kirchenjahres.

Zwei der Paramente stammen aus der Zeit vom Anfang des Jahrhunderts: Der rote Behang trägt am Altar die Zeichen von Kreuz und Krone, A und n (Anfang und Ende) und an der Kanzel die Taube als Zeichen der Ausgießung des Heiligen Geistes; er wird vor allem an Festtagen und Kirchenfesten (Konfirmation, Pfingsten, Reformationsfest, Kirchweih) aufgelegt. Der alte grüne 'Behang zeigt am Altar den Weinstock und die Reben und an der Kanzel, so daß wir ihn regelmäßig am Erntedankfest und bei besonderen Gelegenheiten verwenden. Zu erwähnen ist auch die 12-teilige, aus Lindenholz geschnitzte und sehr ausdrucksstarke Weihnachtskrippe, die der Stuttgarter Künstler Hannes Ziegfeld 1991/92 geschaffen hat.

Die anderen Paramente entstanden in der Zeit um 1970, teilweise vom Frauenkreis nach Entwürfen der Stuttgarter Paramentenwerkstatt gefertigt; sie tragen die wichtigsten Kirchenfarben und geben mit ihren Symbolen eine eindringliche Botschaft:

Das violette Parament für die Advents- und Passionszeit zeigt Jesus beim Einzug in Jerusalem, Kelch, Kreuz und Stern sowie die offene Tür des Grabes, das grüne Parament, unter anderem für die Trinitatiszeit nach Pfingsten, zeigt den guten Hirten und seine Herde (darunter ein schwarzes Schaf) sowie das Kreuz auf der Erdkugel, das hell beige gestaltete Christus-Parament zeigt den Engel vor dem
offenen Grab des Auferstandenen, einen Baumstumpf, aus dem ein neuer Sproß wächst, und darüber die aufgehende Sonne mit dem Kreuzeszeichen und dem Christusmonogramm; das schwarze Parament begleitet uns vor allem am Karfreitag und bei Beerdigungen, es zeigt die drei Kreuze auf Golgatha mit der aufgehenden Sonne sowie die Dornenkrone.

Alle Kunstgegenstände, Zeichen und Symbole sowie die Elemente des Kirchengebäudes wollen Hinweise sein für das unaussprechliche Geheimnis der Botschaft Gottes und der Fülle und Vielfalt seines Wir- kens an uns.