Aus Großaspachs schwersten Tagen 1693

Im Jahr 1685 erhob der französische König Ludwig XIV. unbegründete Ansprüche auf die Pfalz. Bereits 1689 besetzte er dieselbe. Anschließend drangen seine Truppen 1689 raubend und plündernd weiter vor über den Rhein und fielen teilweise auch in Württemberg ein.

 

Zur Verteidigung der hiesigen Gebiete wurden kaiserliche und sächsische Truppen eingesetzt, die sich in ihrem Verhalten kaum von den französischen Invasoren unterschieden. Für deren Unterhalt, Entlohnung und Einsatzbereitschaft wurden der Bevölkerung große Opfer abverlangt. So brachten die folgenden Jahre auch für Großaspach einschneidende Quartierlasten, Fahr- und Vorspanndienste sowie Material- und Nahrungsmittellieferungen.

 

Im Herbst 1692, beim Gefecht von Ötisheim, ergriffen die württembergischen Truppen kläglich die Flucht. Herzog Friedrich Karl wurde sogar gefangen. Bei ihrem Weiterzug plünderten die Franzosen Mühlacker, Vaihingen/Enz und verschiedene Schwarzwaldorte. Das folgende Jahr 1693 brachte dann auch für Großaspach schwerste Zerstörungen. Fast sämtliche Gebäude des Ortes einschließlich der Kirche wurden niedergebrannt. Vermutlich wurde nur ein Gebäude verschont - die bis heute erhaltene .Alte Kanzlei" in der Langen Gasse. Mit der Kirche und dem Pfarrhaus verbrannten auch alle Tauf und Abendmahlsgeräte sowie die weit zurückreichenden Kirchenbücher mit vielen persönlichen und familiären Angaben über Geburt und Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten, Beerdigungen und sonstige Geschehnisse.

 

Als Pfarrer Hägelin im Jahr 1694/95 mit den Aufschrieben für ein neues Kirchenbuch begann, gab er in seinem Vorwort einen ausführlichen Bericht über die Geschehnisse im Schreckensjahr 1693. (Siehe auch unter „Lebendige Aspacher Kirchengeschichte“).

Wir können vermuten, dass diese Zerstörungen auf die Bevölkerung eine deprimierende Wirkung hatten. Umso erstaunlicher ist es, wie schnell sie sich an den Wiederaufbau gemacht hat. In wenigen Jahren war die Kirche wieder benutzbar, bereits 1715 nahm man weitere Verbesserungen am Kirchengebäude vor. Noch eindrücklicher wird der Lebenswille der damaligen Ortsbewohner sichtbar an dem großen Fachwerkgebäude (früher Zucker/Schulz, heute Traichel) an der Lammkreuzung, das im Jahr 1700 erbaut wurde.